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Ausbruch mit Folgen

Fragend sah er mich an.
„Was meinst du damit?“ 
„Wie ich es gesagt habe: Ich bin weg!“ 
„Wie weg?“ 
Er sah mich verständnislos an. 
„Weg! Ich muss hier raus. Immer dieselben Leute, dieselbe Arbeit, dieselbe Landschaft: das halte ich nicht mehr aus!“ 
„Und wo willst du hin?“ 
Ich zuckte mit den Schultern. 
„Keine Ahnung, irgendwo, wo es anders ist. Vielleicht zu meiner Tante, vielleicht zu meinem Onkel, …“ 
„Aber dein Onkel wohnt in Berlin!“ 
Die Überraschtheit in seiner Stimme war nicht zu überhören. 
„Na und?“, antwortete ich trotzig. 
„Was wird aus mir?“ 
Diese Frage hatte ich erwartet und dennoch machte sie mich traurig und lies mich einen Augenblick an meinem Entschluss zweifeln. Schnell hatte ich mich jedoch wieder im Griff. 
„Ich weiss nicht. Du kannst ja mitkommen?“ 
Fast etwas flehend sah ich ihn an, obwohl ich die Antwort schon kannte. 
„Du spinnst! Ich kann doch nicht einfach so gehen und du auch nicht!“ 
„Doch, kann ich“, kämpferisch sah ich ihn an. 
Ich hatte es begonnen, jetzt würde ich es durchziehen. Viel zu lange war ich hier geblieben und mich nicht getraut etwas zu ändern. 
„Was willst du denn überhaupt dort?“ 
„Neue Leute kennen lernen, was anderes sehen, eine neue Umgebung, …“ 
„Dann wünsche ich dir viel Spass dabei, aber ich bleibe hier!“ 
Der schroffe Ton liess keinen Zweifel daran, dass er mich nicht verstand. 
Ich sah ihn ein letztes Mal an und sah in seinen Augen die Ungläubigkeit über mein Vorhaben, dann drehte ich mich schnell um und ging eiligen Schrittes davon. 
Ich drehte mich nicht mehr um, hatte keine Augen mehr für die schöne Frühlingslandschaft. 
Ich hoffte nur, dass ich diese Entscheidung nie bereuen würde…  

 

Ich blieb stehen und blickte die Strasse auf und ab.
So lange Zeit war ich nicht mehr hier gewesen und doch hatte sich äusserlich nicht viel verändert. Der Metzger war immer noch in derselben Ecke, gegenüber der Bäcker und weiter oben der kleine Dorfladen. 
Ich fragte mich, wie viel sich sonst verändert hatte.
Langsam lief ich wieder weiter und betrat den Dorfladen. 
Die Frau an der Kasse war immer noch dieselbe. Wie oft hatte ich früher bei ihr bezahlt, ob sie mich noch kannte?
Sogar die meisten Lebensmittel standen noch dort wo früher, wenn auch die Marken und das Aussehen einiger nicht mehr dasselbe war. 
Ich schnappte mir ein Sandwich und eine Tafel Schokolade und stellte mich zur Kasse.
„Guten Tag“, grüsste ich die Frau. 
Sie grüsste zurück und tippte die Preise in die Kasse ein. Ab und zu warf sie mir einen musternden Blick zu. 
„Sagen sie, sind sie nicht die Tochter des Gärtners?“, fragte sie auf einmal.
„Doch, die bin ich“, antwortete ich wahrheitsgemäss. 
„Sie habe ich lange nicht mehr gesehen, schön sind Sie mal wieder hier.“
„Ich bin vor einigen Jahren nach Berlin gezogen. Wie viel kostet es?“, wich ich weiteren Fragen aus. 
„Das macht 7.50. Und jetzt sind sie zu Besuch hier oder ziehen sie zurück? Sie waren doch mit dem Sohn vom Bauern auf dem Hügel zusammen?“ 
Sie gab nicht so schnell auf.
„Ja, war ich, aber ich bin nur zu Besuch hier.“ 
Ich nahm mein Wechselgeld und verschwand bevor sie weiter fragen konnte.
„Schönen Tag noch!“ 
Und damit war ich zur Türe hinaus.

Ich lief auf einem kleinen Weg durch ein Quartier aus dem Dorf. Ausserhalb des Dorfes stieg der Weg an. Ich sog den Duft von frisch gemähtem Gras ein. Von weitem sah ich die Kirschbäume, die schön blühten und das Bauernhaus, um das sie standen, fast komplett verdeckten. 
Je näher ich kam, desto langsamer wurden meine Schritte. 
Wie würde er reagieren, mich zu sehen? Verstand er immer noch nicht, wieso ich gegangen war? Dachte er immer noch, ich hätte ihn einfach so zurück gelassen?  
Von weitem war noch alles wie früher, die Geranien blühten auf den Fenstersimsen, der Gartentisch stand vor dem Haus, in der Einfahrt parkte derselbe Wagen von damals und sogar das Willkommensschild hing noch an der Eingangstüre. 
Jetzt öffnete sich die Stalltür und er trat hinaus. Viel verändert hatte auch er sich nicht, seine braunen Locken fielen leicht auf seine Schultern und das Shirt betonte seinen eher muskulösen Oberkörper. 
Ich beschleunigte meine Schritte unweigerlich, verlangsamte sie aber sofort wieder, als eine Frau mit einem Korb am Arm von der Scheune her kam. Er ging auf sie zu, strahlte sie an und umarmte sie, als er bei ihr war. 
Einige Sekunden blieb ich wie erstarrt sehen, dann drehte ich mich schnell um und ging eiligen Schrittes davon. Dabei hoffte ich inständig, dass sie mich sahen, für die schöne Frühlingslandschaft hatte ich keine Augen mehr. 
Zum ersten Mal bereute ich die Entscheidung, damals einfach gegangen zu sein… 



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