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Die Entscheidung

Verschlafen öffnete ich die Augen und sah mich in dem vertrauten Zimmer um.
Ich sah den unordentlichen Schreibtisch auf dem der Computer stand, den Schrank daneben, die Türe mit einigen Auszeichnungen. Müde schloss ich die Augen wieder. 
Als ich mich auf die andere Seite drehen wollte, bemerkte ich, dass jemand neben mir lag. 
Ich lächelte und öffnete die Augen erneut. Fabians Lippen umspielten ebenfalls ein Lächeln. 
„Hey. Gut geschlafen?“ 
Zärtlich beugte er sich zu mir herunter und küsste mich. 
„Wie immer wunderbar in deinen Armen“, grinste ich. 
Es war einen Augenblick still, ehe er leise fragte: „Wann fahrt ihr?“ 
„Um zwei Uhr. Mein Vater rechnet damit, dass wir ungefähr 1 ½  Stunde haben bis zum Flughafen. Da sollte ich genügend Zeit haben um das richtige Gate zu finden, einzuchecken und im Flieger zu sitzen, wenn dieser pünktlich um fünf los fliegt“, erklärte ich und zögerte einen Moment, ehe ich ihn fragte: „Kommst du jetzt auch mit?“ 
Er seufzte: „Nein, ich denke nicht.“ 
Ich war nicht enttäuscht, ich hatte diese Antwort erwartet. Deshalb nickte ich nur. 
Es war so unwirklich, hier bei ihm zu liegen und zu wissen, dass man in 24 Stunden schon bald in Amerika war. 
„Danke, dass du heute Nacht hier geblieben bist. Auch wenn ich nicht ganz verstehe, dass du nicht nach Hause bist.“ 
„Weißt du“, mein Blick glitt wieder durchs Zimmer, über den Schreibtisch, den Schrank, die Türe, die Wände, „ dies ist auch mein Zuhause. Ich bin fast drei Jahre in diesem Haus ein- und ausgegangen. Ich bin von deiner Familie von Anfang an aufgenommen worden, hab mit der Zeit fast dazu gehört...“ 
Langsam überkam mich eine Traurigkeit und ich brach ab. Er spürte es und zog mich zu sich. 
„Manchmal hab ich mich gefragt, ob wir wirklich die richtige Entscheidung getroffen haben. Aber ich komme immer wieder zu dem Entschluss, dass es wirklich das Beste ist so. Auch wenn es viele nicht verstehen.“ 
Ich dachte an das Gespräch zurück, das wir einige Wochen zuvor geführt hatten. Damals hatte ich ihm mitgeteilt, wann genau ich für ein Jahr in die USA gehen würde. Obwohl wir vorher viel darüber geredet hatten, war es nie so realistisch gewesen. Mit diesem Datum war es das geworden. Wir hatten lange darüber geredet, was aus unserer Beziehung werden sollte, ob wir zusammen bleiben wollen oder uns trennen sollten. Schliesslich hatten wir uns darauf geeinigt, dass wir uns trennen, aber erst bei meiner Abreise. Das hatten viele nicht verstanden, sie hatten gefunden, wir müssten uns sofort trennen. Aber wir wollten die Zeit zusammen geniessen und nach meinem Auslandjahr weiter schauen, wie sich die Gefühle entwickelt hatten. 
„Mir ging es genau so“, gab ich zu. 
Wieder wanderte mein Blick durchs Zimmer und ich fragte mich dabei, ob ich es heute zum letzen Mal sah. 
Mein Blick blieb an der Uhr hängen und mit einem Seufzer löste mich langsam von ihm. 
„Ich sollte gehen. Ich muss noch ein, zwei Dinge zusammenpacken.“ 
„Kannst du mir etwas versprechen? Dann verspreche ich dir auch etwas.“ 
Ich sah ihn fragen an. 
„Kommt darauf an, was es ist?!“ 
„Versprichst du mir, dass mir mitteilen wirst, an welchem Tag und um welche Zeit du zurückkommst? Dann verspreche ich dir, dass ich da sein werde. Egal wie viel Kontakt wir in diesem Jahr haben, ob du dich in jemanden verliebt hast oder ich eine neue Freundin habe. Aber ich werde da sein.“ 
Der Gedanke, dass jemand anderes einmal hier in seinem Bett liegen könnte, tat weh, aber ein Jahr war lang, es konnte alles passieren. 
Doch ich lächelte, so würde ich sofort wissen, wie es weiter ging.  
„Klar, ich werde dir schreiben.“ 
Der Abschied rückte näher und mein Schmerz wuchs. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm sein würde. 
Einige Minuten später standen wir einander gegenüber. Da der Abschied beiden schwer fiel, war er dementsprechend kurz. Ein letztes Mal für ein Jahr, oder vielleicht auch für immer, ich wusste es nicht, umarmten wir uns. Danach verschwand ich durch die Türe, die er hinter mir wieder schloss. Wir hatten uns in dieser Nacht verabschiedet, alles Weitere war unnötig. 
Während ich mich von seiner Familie verabschiedete, blieb er in seinem Zimmer. Als ich davon fuhr, sah ich, wie er mir durchs Fenster nachsah… 

Immer noch eine Stunde. Ich hatte das Gefühl, schon ewig in diesem Flieger zu sitzen und doch war es erst etwas mehr als eine Stunde. Klar, ich hatte schon einige Stunden im Flieger hinter mir, von Amerika bis nach Europa, aber dazwischen hatte ich einige Zeit Aufenthalt gehabt. 
Ich setzte mich anders hin und versuchte mich auf die Musik zu konzentrieren, die aus meinen Kopfhörern erklang.
Aber bald wanderten meine Gedanken wieder zu meiner Ankunft. Ich fragte mich, wer alles da sein würde. Meine Eltern und meine Geschwister, das war klar. Sicher auch meine besten Freunde, mit denen ich in diesem Jahr regelmässig Kontakt gehabt hatte. Und zum wahrscheinlich hundertsten Mal überlegte ich, ob er wirklich auch kam. 
Ich hatte nicht viel Kontakt mit Fabian gehabt, am Anfang hatten wir uns ab und zu geschrieben, danach hatte er zwischendurch einen Gästebucheintrag auf meinem Blog, auf dem ich von meinen Erlebnissen erzählt hatte, geschrieben und gegen Ende nicht einmal mehr das. Auch ich hatte ihm nicht mehr geschrieben, bis auf die Mail mit den genauen Daten meiner Rückreise. Aber er hatte nicht darauf geantwortet.
Ich hoffte, dass er sich an sein Versprechen erinnerte.  
Ich versuchte heraus zu finden, was ich für ihn fühlte. Doch ich konnte es nicht definieren. In diesem Jahr hatte ich viel geflirtet, hatte bei diesem und bei jenem Typen Herzklopfen gehabt und mit einem war es auch mehr geworden, wenn wir auch nur 3 Monate zusammen gewesen waren.
Fabian war zu weit weg gewesen, es war die richtige Entscheidung gewesen von uns, uns zu trennen. Obwohl ich ihn am Anfang vermisst hatte, anders als alle anderen, war es ein gutes Gefühl gewesen, frei zu sein. Ich hatte kein schlechtes Gewissen mehr haben müssen, wenn ich mit jemandem geflirtet hatte oder auf einer Party jemandem näher gekommen war. 
Ich hatte von seinen Freunden erfahren, dass auch er seine Freiheit genossen hatte und sich ab und zu mit anderen Frauen getroffen hatte.
Doch was war jetzt, wenn ich wieder zurück war?  
Einerseits wollte ich ihn sofort wiedersehen, wollte wissen ob mich seine Augen immer noch so faszinierten und mich sein Lachen immer noch zum schmelzen brachen.
Gleichzeitig wollte ich die Begegnung so wie möglich wegschieben, zu sehr Angst hatte ich davor. Was wenn wir uns nicht einig sein würden? 
Wenn er mich noch lieben würde und ich ihn nicht mehr? Oder umgekehrt?
Und was, wenn er gar nicht kam? Wenn ich ihm nicht mehr wichtig genug war? Wenn er wirklich eine neue Freundin hatte und es nicht für nötig hielt, sein Versprechen zu halten? 
Ich schüttelte den Kopf. Ich wollte nicht nachdenken, ich würde sehen, wie es kam.
Ich drehte die Musik lauter und lies mein Jahr Revue passieren, was besser war als über das andere nachzudenken. 
Auch diese Stunde ging vorbei und wird landeten. Jetzt ging alles schnell und ich durchquerte mit meinem Gepäck die Schranke zur Wartehalle. Meine Familie und Freunde winkten wie verrückt und kamen auf mich zu. Ich beschleunigte meine Schritte und fiel der erstbesten Person, die bei mir war, um den Hals.
Nacheinander umarmte ich alle, glücklich sie wieder zu sehen. Es dauerte eine Weile, bis ich bemerkte, dass Fabian fehlte. Ich sah mich suchend um, doch er war nirgends. 
Alina, meine Freundin, bemerkte meinen Blick.
„Suchst du jemanden?“ 
„Fabian hat versprochen zu kommen. Aber ich habe nichts von ihm gehört. Und so wie es aussieht, ist er jetzt auch nicht hier.“
Enttäuscht sah ich mich noch einmal um, dann zuckte ich mit den Schultern. 
„Kann man nichts machen.“
„Wenn du willst, können wir noch warten, vielleicht hat er sich verspätet“, meinte meine Mutter. 
„Nein, ist schon in Ordnung. Gehen wir.“
Langsam machten wir uns auf den Weg. Meine Eltern erklärten, dass es ein ganz anderes Gefühl sei als damals als sie nach Hause gingen, als ich damals abgeflogen war.  
Ich hörte nur mit einem Ohr zu, zu gross war die Enttäuschung über Fabians Nichtkommen.
Auf einmal blickte ich auf und mein Blick kreuzte sich mit dem eines Mannes. Sofort schlug mein Herz schneller. War er das? 
Er lächelte und ich lachte zurück.
Es war eindeutig Fabian. Er war doch gekommen! 
Aufgeregt lief ich auf ihn zu und auch er beschleunigte seine Schritte.
In der Mitte trafen wir uns. Unsicher blieb ich erst stehen, dann umarmte ich ihn einfach. 
Er drückte mich sanft an sich.
„Tut mir leid. Es hatte Stau auf der Autobahn, deshalb sind wir zu spät.“ 
Ich sah hinter ihn und bemerkte seine Familie.
„Ich habe erst echt schon gedacht, du hättest mich vergessen!“, gab ich zu. 
Wir hatten uns voneinander gelöst.
„Dich vergessen? Das könnte ich nie!“ 
Ich sah in seine Augen und drohte in seinen Augen zu versinken.
Leise fragte ich: „Freundin?“ 
Er schüttelte den Kopf und fragte zurück: „Freund?“
Ich schüttelte ebenfalls den Kopf, worauf er lächelte. 
Langsam zog er mich wieder in seine Arme und unsere Blicke sagten genug.
Sanft küssten wir uns. Beide wussten, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten.  

 



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