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Heimat

Schon von weitem hörte sie die Pauken aus dem Stadion. Ein leichter Schauer lief ihr über den Rücken. Wie lange war sie nicht hier gewesen?
Sie zeigte ihr Ticket am Eingang, der Kontrolleur riss einen Teil ab und langsam ging sie hinein.
Sie atmete die kalte Luft ein und sah sich um. Viel hatte sich nicht verändert in den letzten Jahren, als sie fast an jedem Heimspiel gewesen war.
Sie stellte sich ganz zu Oberst auf der Tribüne, dort wo sie immer mit ihren Kollegen gestanden war. Sie bemerkte, dass der VIP-Bereich neu war, und an der Werbung, die gross angeschrieben stand, wusste man sofort, von wem der Umbau gesponsert worden war.
Sie überlegte, wie lange es war, dass sie sich das letzte Mal einen Match angesehen hatte. Es war Jahre her. Wie das Leben so spielte, hatte sie der Wind weg aus der Stadt getrieben. Mal hatte sie in anderen Städten, mal im Ausland gearbeitet. Erst seit kurzem war sie wieder in der Stadt, in der sie aufgewachsen war.
Es hatte noch nicht viele Leute im Stadion. Unten standen die Fans an den Trommeln und wärmten sich auf, so wie es ihre Vorbilder jetzt draussen auch taten. Zwei schlugen gleichzeitig auf eine Pauke ein, während ein anderer auf einer zweiten übte. Die übrigen hängten ein Plakat an das Plexiglas der Bande, sie konnte nicht entziffern, was darauf stand.  Sie nahm aber an, dass es ein Ansporn an die Mannschaft sein soll.
Auf den Sitzplätzen, die sich links und rechts dem Spielfeld entlang befanden, und unter ihr auf der Stehplatztribüne sassen vereinzelt Personen.
Aus den Boxen, die in der Mitte über dem Spielfeld hängten, dröhnte Musik. Sie hörte das Lied ‚Fucking Pefekt‘ von Pink. Ja, perfekt musste die Mannschaft heute spielen, wenn sie gewinnen wollten. Es liefen die Viertelfinals um den Kampf des Meistertitels und ihr Team war im Rückstand in der Serie. Falls sie heute verloren, war die Saison für sie beendet. 
Das wussten auch die Fans, die sie jetzt wieder beobachtete. Sie spielten nicht immer im Takt, übten aber wie verbissen, um dies zu korrigieren, auch sie wussten, dass es heute um alles ging und so wollten sie ihr Team so gut es ging anfeuern. Das Plakat war mittlerweile aufgehängt und einige alberten herum.
Auch auf der Tribüne gegenüber waren die letzten Vorbereitungen im Gange. Die gegnerischen Fans hatten ebenfalls Trommeln dabei und dumpf hörte man die Schläge. Währenddessen rollten andere in dieser Ecke grosse Fahnen aus.
Nun betraten die ersten gegnerischen Spieler das Eis, um sich einzuspielen. Sofort erklangen unter ihr einige Buh-Rufe, die sich aber sofort in Lobgesang umwandelte, als das Heim-Team auf das Spielfeld kam.
Sie lächelte, viel verändert hatte sich wirklich nicht in diesem Bezug. Nur waren die Fans an den Trommeln heute jünger als zu ihrer Zeit.
Langsam füllte sich die Tribüne, um sie herum bildeten sich Gruppen und überall begrüssten sich Leute. Einige musterten sie neugierig, einerseits weil sie alleine da sass und andererseits weil sie ein Trikot eines Spielers trug, der schon einige Jahre nicht mehr im Team spielte.
Sie sah einige bekannte Gesichter, aber es war niemand da, mit dem sie früher Kontakt gehabt hatte. Die meisten waren wahrscheinlich auch weggezogen, besuchten die Eishockey-Matche des Clubs nicht mehr regelmässig oder interessierten sich nicht mehr dafür.
Die Gespräche in den Gruppen drehten sich fast alle um das bevorstehende Spiel oder um das letzte Spiel, das noch einmal analysiert wurde. Man diskutierte, was die Spieler besser machen sollten oder was sie nicht mehr machen sollten, wenn sie gewinnen wollten.
Sie war so in ihre Beobachtungen vertieft gewesen, dass sie aufschreckte, als die Sirene erklang, die den verbliebenen Spieler auf dem Eis mitteilte, dass die Einspielzeit vorbei war.
Nun würde es nicht mehr lange dauern, bis das Spiel begann. Sie verspürte ein Kribbeln, wie früher und aufgeregt stand sie auf. Länger konnte sie nicht mehr sitzen bleiben.
Sie trank ihr Glühwein fertig und lies den Becher fallen.
Erneut schweifte ihr Blick über die Halle, es war wie in einem Bienenhaus. Viele gingen im letzten Moment noch etwas zu trinken holen und andere suchten sich einen guten Platz, an dem sie möglichst das ganze Feld sahen. Man spürte förmlich die Aufregung, die sich unter dem Publikum ausbreitete und die auch sie mitriss.
Nun las der Speaker die Mannschaftsaufstellung der beiden Teams herunter, während die Fans ein letztes Mal übten, bevor die Trommeln für einen kurzen Moment verstummten. Es schien fast wie die Ruhe vor dem Sturm.
Und schliesslich kamen sie aufs Feld, die Spieler auf die alle gewartet hatte, angefeuert von den jeweiligen Fans, die auf ihre Trommeln hauten und dazu lauthals sangen.
Sie stimmte mit ein und war wieder einige Jahre zurück. 
Aufgeregt fieberte sie mit, jubelte bei jedem abgewehrten Angriff und verzog das Gesicht bei jeder verpassten Torchance.
Als die Stadionhymne angespielt wurde, hielt sie einen Moment inne. Dann lächelte sie.
Sie hatte nicht gedacht, dass dieses Lied noch gespielt wurde. Sie konnte den Text noch Wort für Wort auswendig, obwohl sie es schon ewig nicht mehr gehört hatte.
Und während sie mitsang, merkte sie, wie sehr sie das alles vermisst hatte. Ja, sie würde vielleicht wieder mal weggehen für einige Zeit, aber sie würde garantiert immer wieder zurückkehren, weil hier ihre Heimat war. 




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